Geschichte

Büchse mit Pfeiffer Schreibmaschinenband, ca 19301908: Frederick A. Cook erweist sich als Bluffer, J.F. Pfeiffer als Büromaterial-Unternehmer.

In Detroit wird das erste Ford Modell T gebaut, Frederick A. Cook behauptet, den Nordpol erreicht zu haben (hat er gar nicht, der Bluffer), dem Franzosen Henri Farman gelingt mit seinem Doppeldecker der erste Motorflug von mehr als einem Kilometer Distanz, und der holländische Wissenschaftler verflüssigt erstmals Helium. Was für ein Jahr. Wem das noch nicht genug ist: In Folkestone findet der erste Schönheitswettbewerb der Welt statt.

Das sind doch perfekte Bedingungen, um ein Schweizer Unternehmen für Büromaterial zu gründen. Jakob Friedrich Pfeiffer heisst der Mann, der diese Vision hat, und so erstaunt es nicht weiter, dass er seine Firma ebenso bescheiden wie nüchtern J.F. Pfeiffer nennt. Wir schreiben das Jahr 1908, als er seinen ersten Laden in Zürich eröffnet – der mit 150‘703 Einwohnern damals schon grössten Stadt der Schweiz. Das ganze Konzept eines Geschäfts für Büromöbel und Büromaterial ist eine echte Neuheit. So öffnen nach und nach weitere Filialen in grösseren Schweizer Städten, darunter auch Genf. Die nächsten 35 Jahre verläuft alles bestens, das Geschäft wächst, Jakob wird älter und älter, bis er schliesslich verstirbt. Sein Schwiegersohn ist zur Stelle, Dr. Max Wolfensberger heisst er, und er kauft der Familie gleich die ganze Firma ab. Max erweitert das Sortiment, importiert innovative Produkte aus Deutschland und den USA, das Geschäft läuft wie geschmiert. Wie sehr gut geschmiert. Aber jetzt wird es wirklich interessant.

1933: In Paris ist der Eiffelturm nicht mehr der Grösste, aber ein gewisser Louis sehr glücklich.

Pfeiffer Lastwagen, Saurer, 1938Versetzen wir uns ins Jahr 1933. Stürzen wir uns ins Paris des Art déco. In jenem Jahr wird die Air France als Zusammenschluss einiger französischer Fluggesellschaften geformt, und der Eiffelturm ist im besten Alter von 44 Jahren. Kleiner Wermutstropfen: Er ist bereits nicht mehr das höchste Gebilde, das je von Menschenhand erschaffen wurde*. Und dann ist da noch ein Mann. Ein geschäftstüchtiger Mann. Louis Douvry heisst er, und er ist nicht nur sehr geschäftstüchtig, sondern auch sehr glücklich. Kein Wunder, hat er doch soeben den Plastikbinderücken erfunden. Ja, in Frankreich, in Paris. In den USA erhält eine Firma, die sich Plastic Binding Company (Plastico) nennt, die Lizenz für deren Herstellung. Kleinere Bindemaschinen sind jetzt das Teil der Stunde (so wie heute das iPhone oder Facebook oder der Tesla oder was auch immer). Jeder will sie haben. 1947 gründen zwei leitende Angestellte von Plastico die General Binding Corporation (GBC), um diese bahnbrechende Erfindung namens Plastikbindung zu vermarkten. 

Die Plastikbindung revolutioniert die Firmen und die Laufburschenschaft.

Für uns heutigen Normalsterblichen ist die Plastikbindung ja ein Prozess, der weitgehend im Hintergrund verläuft – in der Ecke des Lagerraums, auf einem alten Pult oder irgendwo in einem Regal, auf dem sich noch viele weitere wichtige Dinge türmen. Aber, jetzt kommt’s: Bevor es diese modernen, transportablen Bindemaschinen gab, da musste jede Firma ihre Unmengen von Papierdokumenten, die sie produzierte, an externe Druckereien und Bindereien schicken. Und das ging nicht per E-Mail, wie Ihnen bestimmt bewusst ist, sondern mit dem Laufburschen oder einer ganzen Schar von Laufburschen. So ein Bindeprozess konnte Tage oder manchmal Wochen dauern. Jetzt versuchen Sie sich mal die Revolution vorzustellen, die in jenen fernen Zeiten ausbricht, als Menschen ihr Dokument plötzlich in einem Tag oder gar einer Stunde binden können! Es kommt noch besser: Die Menschen können ihre Dokumente sogar quasi im Handumdrehen verändern! Das erinnert in seiner ganzen Bedeutung ein bisschen an die Erfindung des Internets, nicht wahr?

Pfeiffer Gebäude an der Löwenstrasse 61 in Zürich1950: Ein Amerikaner ohne Sprachkenntnisse strandet in Zürich und Ueli zieht Plastik Gold vor.

Mittlerweile sind wir in den coolen 1950er Jahren gelandet. Soeben wurde die General Binding Corporation (GBC) von Bill Lane und Ed Uihlein aufgekauft, den Besitzern der Schlitz Brewing Company. Bier kann man zwar nicht binden, aber Dokumente kann man auch nicht trinken, so passt das bestens zusammen. Die beiden möchten nach Europa expandieren.GBC Bindemaschine, aus Schweizer Produktion, späte 50er Jahre

Am Hauptbahnhof in Zürich begegnen wir einem gewissen Mr. Rogers. Der Typ wirkt etwas verloren. Er ist der Exportmanager von GBC und so gut wie gar nicht vertraut mit dem komplett fremden schweizerischen Terrain. Etwas unbeholfen schreitet er aus der grossen Halle des Bahnhofs. Er hat einen weiten Weg hinter sich – und leider etwas Klitzekleines zu Hause vergessen: Deutsch, Französisch oder Italienisch zu lernen.

Pfeiffer Haus zum Hirschen an der Seestrasse 346 in Zürich Wollishofen. Hauptsitz seit den frühen 60er Jahren - bis heute.Solcherart nicht ganz angemessen gerüstet marschiert Mr. Rogers unbekümmert, wie er ist, ins Geschäft von J.F. Pfeiffer und beginnt seine GBC-Maschinen in den höchsten Tönen zu loben. Weil diese auf Englisch gesungene Lobeshymne niemand versteht, fällt die Reaktion darauf entsprechend verhalten aus. Zum Glück kommt da der Chef persönlich zu Hilfe – Dr. Max Wolfensberger. Der gute Max, schlau und geschäftstüchtig wie er ist, begreift sofort die Tragweite dieser Gelegenheit. Wenig später hat er sich die gesamten Rechte für den Vertrieb der GBC-Maschinen in der Schweiz gesichert und in den folgenden Jahren die Produktion und den Vertrieb in ganz Europa für GBC aufgebaut.

Max führt seinen Sohn Ueli in die wunderbare Welt der Plastikbindung ein. Zwar liebäugelt Ueli mit einer Karriere als Wasserskifahrer, doch ist er bereit, zugunsten von Plastik auf Gold, Silber und Bronze zu verzichten, und reist nach Chicago zur GBC. Nach acht Monaten kehrt Ueli in die Schweiz zurück, um sein Studium an der Universität Genf fortzusetzen. Ein Studium, das Ueli notabene finanziert mit dem Verkauf von – Sie haben es erraten: GBC-Maschinen. Und während sich die Maschinen wie von selbst verkaufen, gewinnt er gleich noch zwei Silbermedaillen an den Schweizer Meisterschaften im Wasserski.

Ibico's erster Messestand, Hannovermesse 19701969: 400‘000 Blumenkinder pilgern nach Woodstock, und Ueli und Ingrid ziehen eine andere Blume gross.

Wir schreiben das Jahr 1969. Die ersten Menschen betreten den Mond, die erste Boeing 747, auch bekannt als Jumbojet, hebt in die Luft ab. Was fast noch wichtiger ist in jenem Jahr: Max Wolfensberger und GBC beschliessen, fortan getrennte Wege zu gehen. Während rund 400‘000 Blumenkinder ans Woodstock-Festival pilgern, ziehen Dr. Ueli Wolfensberger und seine Frau Ingrid ein anderes Pflänzchen gross: Sie gründen ihre eigene Firma – die Inter Binding Company. Und weil das in den Ohren eines Schweizers eher sperrig klingt, schrumpfen sie den Namen auf Ibico zusammen. Der Erfolg ist schneller da als eine Rakete auf dem Mond, und so macht Dr. Ueli Wolfensberger einen weiteren grossen Schritt für die Menschheit, indem er Produktionsstätten, Tochtergesellschaften und Firmenzweige rund um den Erdball errichtet.

1997: Hongkong geht an China zurück und die ganze Welt lechzt nach Tinte.

Kombo, Komborella, Ibimaster und nicht zu vergessen die legendären EP28 und HB28 … Das sind keine Namen von Raketen aus der Post-Kalter-Kriegs-Ära, sondern die Plastikbindemaschinen, die die Ibico in nie dagewesene Sphären des Erfolgs – raketengleich – katapultieren. Dr Ueli Wolfensberger erhält den OPI Lifetime Achievement Award im Jahre 2005, an der Paperworld FrankfurtIbico war der Wegbereiter der Anwendung von PTC in Laminier- und Thermobindegeräten und verkauft mehr Binde- und Laminiermaschinen als irgendjemand sonst auf der Welt. Dann, 1997, in dem Jahr, wo Hongkong an China zurückgeht, geht noch etwas weiteres Bemerkenswertes vor sich: GBC kauft Ibico auf. Ueli und Ingrid rufen in der Folge gleich ein neues Firmenkind ins Leben und taufen es auf den Namen «Peach». Auch dieses Kind entwickelt sich prächtig – zu einem äusserst erfolgreichen Unternehmen, das einer Welt, die förmlich nach Tinte lechzt, Tintenpatronen verkauft.

Pfeiffer-Messestand auf der Paperworld Frankfurt 20162014: Pfeiffer ersteht auf und Sie erfinden die Weltformel.

Sie haben bis hierher gelesen, und das wissen wir zu schätzen. Allmählich fragen Sie sich aber, wann denn nun wieder der Name Pfeiffer ins Spiel kommt. Nun, die Sache verhält sich so: 2014 wird die Firma Pfeiffer von einer neuen Generation von Wolfensbergers wieder zum Leben erweckt – und zwar von direkten Nachfahren von Jakob Friedrich Pfeiffer.

Bei Pfeiffer haben sie ganz einfach die schöne Familientradition weitergeführt, grossartige Büroprodukte mit sehr vernünftigen Preisschildern zu versehen und einer gehörigen Portion Swissness anzureichern. Eine Kombination, die die Pfeiffer-Produkte heute so einzigartig macht.

Sie ahnen es: Wir sind im Hier und Heute angekommen. In diesem Hier und Heute verkauft Pfeiffer eine breite Palette von Laminiermaschinen, Bindemaschinen und verwandten Geräten fürs Zuhause ebenso wie fürs Büro. Dazu gesellt sich eine Reihe von original Pfeiffer-Büromaterial, das die Vielseitigkeit und Leistungsfähigkeit dieser Maschinen erst komplettiert: Laminiertaschen, Plastikbindungen, Spiralbindungen, Drahtbindungen und Laminier- und Bindezubehör in allen Variationen, einschliesslich innovativer Ready Kits. Doch selbst das ist noch nicht alles. So finden Sie im Pfeiffer-Sortiment wirklich erstaunliche Tintenpatronen und Toner für alle gängigen Drucker. Haben wir schon die Rechenmaschinen erwähnt – die Taschenrechner, die grossen Tischrechner und die wissenschaftlichen? Und nein, man muss nicht alles binden, man kann es auch einmal klammern, und auch dafür gibt’s was von Pfeiffer: Heftgeräte. Und dann sind da noch die Schreibgeräte – und vieles mehr.

So, jetzt wissen Sie alles. Jetzt ist Ihnen klar: Wenn Sie ein Pfeiffer-Produkt in den Händen halten, dann fassen Sie gerade ein kleines Stück Geschichte an – es fühlt sich ungefähr so an, als ob Sie gerade den Moon Boot von Neil Armstrong ergriffen, stimmt’s? Tragen Sie ihm Sorge, und das Pfeiffer-Produkt wird es ihnen mit einer langen, langen Lebensdauer verdanken, Ihnen viel Freude bereiten und Ihre Arbeit ungemein erleichtern. Versprochen. Auf diese Art schreiben Sie selbst die Pfeiffer-Geschichte um ein Kapitel weiter – oder gleich um eine ganze, wunderschön gebundene Doktorarbeit. Zum Beispiel, indem Sie endlich die Weltformel entdecken und die Quantentheorie mit der Relativitätstheorie in Einklang bringen. Legen Sie los – Pfeiffer liefert Ihnen das nötige Büromaterial dazu!


*Diese Ehre kommt dem Chrysler Building in New York zuteil. Dafür haben die Amerikaner das Baguette nicht erfunden. Und auch nicht die Plastikbinderücken.